• Dort wo deine Augen hingehen, geht auch deine Aufmerksamkeit hin.
    Wenn du möchtest, dass dein Pferd dir seine volle Aufmerksamkeit schenkt, dann musst du ebenso voll bei der Sache sein.
  • Das Pferd geht unter natürlichen Bedingungen immer seiner Nase hinterher. Ist die Nase deines Pferdes bei dir, hast du in der Regel auch seine Aufmerksamkeit.
  • Du bekommst mit, was dein Pferd wahrnimmt. Mimik, Ohrenspiel und Kopfhaltung sind viel besser zu beobachten, wenn du frontal vor dem Pferd bist. Dein Pferd dreht ein Öhrchen in Richtung des Geräusches von hinten rechts? Du wirst es nicht sehen, wenn du links neben dem Pferd gehst.
  • Du bekommst ein besseres Gefühl dafür, wann dein Pferd gedanklich bei dir ist oder nicht. Ist sein Kopf weit oben und du hast Angst, überrannt zu werden? Oder ist die Halshaltung entspannt und die Nase zeigt auf deine Körpermitte?
  • Du kannst schneller reagieren wenn dein Pferd droht gedanklich abzudriften und merkst es nicht erst, wenn das Pferd bereits versucht zu überholen oder einen Satz zur Seite macht.
  • Du wirst weniger schnell abgelenkt. Wenn das Gesichtsfeld frei ist, fließen die Gedanken schneller, zum Beispiel in Richtung deines Ziels, oder einfach den Weg entlang… „Da hinten – ein Heißluftballon“, „nur noch 500 m bis nach Hause“, „oh – eine neue whatsapp“… Wenn du rückwärts gehst und dein Pferd anschaust, sind deine Gedanken beim Pferd und die restlichen Sinne benötigst du dafür, nicht auf dem Hintern zu landen 😉
  • Du schulst deine anderen Sinne durch das Rückwärtslaufen. Du siehst nicht direkt, wo du hinläufst, musst also vermehrt auf Gehör und Gefühl in den Füßen achten. Vielleicht wirst du sogar Wärmeunterschiede und verschiedene Gerüche an verschiedenen Orten wahrnehmen.
    Durch das Schulen dieser Sinne wirst du automatisch sensibler für die Empfindungen deines Pferdes. Pferde sind uns in Sachen Gehör, Geruchssinn und natürlich Gefühl weit voraus.
  • Deine körperliche Balance verbessert sich. Gut für die innere Balance, und natürlich zum Reiten. Beuge deinen Körper beim Gehen minimal nach vorne; das hilft, das Gleichgewicht zu halten.
  • Durch den Perspektivwechsel schulst du deine Koordination und den Weitblick. Wie weit ist es noch bis zur Bande, wenn ich die Lampe dort aus dem Augenwinkel schon sehen kann? Am Anfang wirst du dich zwischendurch noch oft umdrehen müssen, um ein Gefühl für den Raum zu bekommen, in dem du dich bewegst. Aber mit der Zeit wird das nicht mehr nötig sein.
    Es bietet sich an, zunächst auf bekanntem Terrain mit ebenem Boden und ohne Hindernisse zu starten. Schaffst du es, eure üblicherweise gerittenen Bahnfiguren rückwärts abzulaufen?
  • Du lernst, deinen Fokus unabhängig von deinem Sichtfeld zu setzen. An welcher Stelle des Platzes, der Halle oder des Weges möchtest du genau rückwärts anhalten? Ein starker Fokus macht dich auch in anderen Lebensbereichen stärker, deine Ziele zu erreichen.
  • Du passt dein Tempo deinen Gedanken an. Das hilft dir, im Hier und Jetzt und somit in der Zeit des Pferdes zu sein.
  • Menschen sind Raubtiere. Viele sind Fleischesser, das riechen die pflanzenfressenden Pferde sofort. Unsere Augen sind frontal am Kopf angebracht, wie alle Raubtiere neigen wir dazu, frontal auf unser Gegenüber zuzugehen, schnell zuzupacken und weniger schnell wieder loszulassen.
    In dem du rückwärts vom Pferd weggehst, beweist du, dass du kein Raubtier bist.
  • Durch die Tatsache, dass du dich vom Pferd entfernst, besteht weniger Gefahr, dass du versehentlich zu viel Druck aufbaust oder unbewusst in den persönlichen Raum deines Pferdes hinein stolperst.
  • Du machst dem Pferd keine Angst. Pferde sind Fluchttiere und folgen keinen Dingen oder Lebewesen, vor denen sie Angst haben.
  • Du steigst im Ansehen deines Pferdes. Es läuft dir hinterher, du musst wichtig sein!
  • Du kannst dein Pferd ganz betrachten, und wirst auch körperliche Einschränkungen des Pferdes schneller bemerken, als wenn du neben ihm läufst.
  • Rückwärtslaufen macht einen knackigen Po! Und ja, Muskelkater ist am Anfang nicht ungewöhnlich.

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“ (Antoine de Saint-Exupéry)